Event Alpenstadt Chur

Öffentliche Führung "Scherer" und "Grafik des Expressionismus"

img_wt1_gihdhgcif
img_wt1_gihdhgcig
Öffentliche Führung "Hermann Scherer. Kerben und Kanten" und "Grafik des Expressionismus"

Beschreibung

Date
19.06.2022 von 11:00 bis 12:00 Uhr
Preis 15.00
Ort Bündner Kunstmuseum

Ins Licht gerückt von Vaclav Pozarek

Hermann Scherer (1893–1927) war einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus in der Schweiz. In seinem Schaffen sind die letzten vier Lebensjahre die wichtigste Zeit. Hier wird «Scherer zu Scherer», indem er, inspiriert von Ernst Ludwig Kirchner, völlig neue Wege beschreitet. Die Ausstellung nimmt Scherers druckgrafisches Werken in den Fokus und zeigt, wie die Technik des Holzschnitts seine Bestrebungen nach neuer Formfindung und figuraler Abstraktion bestärkt.

Eine Besonderheit der Ausstellung bilden die originalen Holzstöcke, die hier zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Die durchfurchten Oberflächenreliefs der zumeist auf beiden Seiten bearbeiten Platten führen die vehementen Hiebe der Schererschen Schnitteisen materiell vor Augen. Die Druckstöcke werden in unmittelbarer Nähe zu den gedruckten Blättern gezeigt, auf denen diese in variierender Stärke auf unterschiedlichen Papieren abgezogen worden sind.
Thematisch bündelt das Holzschnittœuvre Scherers die zentralen Aspekte seines gesamten Schaffens: Die existenzielle Vereinzelung des Menschen in Akt und Einzelporträt, Paarkonstellationen (die dieser Vereinzelung nicht entrinnen können), Landschaftsbilder in expressiver Unmittelbarkeit, Freundschaftsbilder als Spiegel des privaten, künstlerischen und intellektuellen Netzwerks. Hinzu kommen die bisher kaum untersuchten Mappenwerke, in denen Scherer mit Dostojewskis Raskolnikoff einen Roman und mit dem Baal von Bertold Brecht ein Theaterstück zum Ausgangspunkt nimmt. Auffallend ist hier der Hang zu abruptem «Szenenwechsel», in dem der Blick von einem intensiven Bild zum nächsten springt. Darin zeigt sich die Ästhetik des expressionistischen Stummfilms als prägend, auf die Hermann Scherer unmittelbar reagiert hat.


Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel entstanden. Im Bündner Kunstmuseum ist die Ausstellung ganz neu formuliert. Für die Ausstellungsgestaltung in Chur konnte der Künstler Vaclav Pozarek gewonnen werden.


"Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und frei, das zum Ausdruck bringt, was ihn zum Schaffen drängt." – Programmatisch steht an den Anfängen des Expressionismus ein Holzschnitt. 1906 druckt Ernst Ludwig Kirchner als einer der treibenden Kräfte der Brücke (1905) das Programm der Künstlergruppe als grafisches Blatt. In den materiellen und technischen Bedingungen der Grafik fanden Künstlerinnen und Künstler des Expressionismus ideale Voraussetzungen für ihre Ansprüche und Forderungen an eine neue Kunstauffassung. Mittels ausdruckstarker Linien und reduzierter Flächen prägte die Grafik so das künstlerische Schaffen einer ganzen Künstlergeneration.

Jenseits der grossformatigen, farbintensiven Gemälde des Expressionismus lädt die Ausstellung dazu ein, in Lithographien, Radierungen und Holzschnitten der Ausdruckskraft eindrucksvoller Kunstwerke von Künstlerinnen und Künstlern, wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Beckmann, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Hermann Scherer, Albert Müller, Paul Camenisch oder Werner Neuhaus näher zu kommen.

Thematisch umkreisen die Arbeiten das Spektrum menschlicher Existenz zwischen Grossstadtleben und Naturidylle, zeigen Parks und Cafés, Varieté und Tanz ebenso wie Landschaften, Eisenbahnunglücke und Szenen der Nacht. In ihrer Unmittelbarkeit konfrontieren expressive Porträtdarstellungen die Betrachtenden. Während sich im Motiv Badender Frauen die Intimität des Formats wiederspiegelt, bezeugen massive Bergwelten den Einfluss, den der Schweiz als Bezugsort in der Kunstlandschaft der Zeit zukam.

Anlass der Sammlungspräsentation ist die parallel eröffnende Ausstellung "Hermann Scherer. Kerben und Kanten" (18.06 – 25.09.2022).

Karte

Verantwortlich für diesen Inhalt Bündner Kunstmuseum.

Guidle Logo

Diese Webseite verwendet Inhalte von Guidle.